Charley Berg to Frida Semler Seabury 20 January 1936 [Letterhead:] CHARLEY BERG EXPORT – COMMISSION – IMPORT representing in Austria, VI., LINIENGASSE 4 Cables: CEBERG VIENNA Czechoslovakia, Hungary VIENNA (AUSTRIA) Telephones: and Yugoslavia: Office: B 25-2-32 S. H. KRESS & Co. Private: B 21-6-24 NEW YORK Code used: Bentley's Bankers: ÖSTERR. CREDIT-ANSTALT — WIENER BANKVEREIN VIENNA VIENNA, 2o.Jaenner 1936. Mrs. Mortimer A. Seabury, 83 Chestnut St., BOSTON. Liebe Frau Frieda ! Ihr lieber Herr Papa sandte mir Ihr Schreiben, mit welchem Sie den Tod meines lieben Bruders Alban mit so herzlichen Worten beklagen. Ich habe den Liebsten meiner Geschwister verloren, denn Alban war wirklich ein ganz wunderbarer Mensch. Das kann ich heute, nachdem er nicht mehr unter den Lebenden weilt, ruhig, selbst als sein Bruder, sagen. Sein Abschied von dieser Erde war sehr qualvoll. Er hat kurz, aber viel gelitten und hat sich diesen schweren Tod nicht verdient. Die Nachrufe in der ganzen Welt beweisen, dass ein Grosser gestorben ist. Leider wollte es das Schicksal, dass er nicht als Vollendeter diese Erde verlassen konnte. Seine inzwischen in allen Laendern aufgefuehrten Bruchstuecke seiner neuen Oper LULU, in Form einer Symphonie, welche ich 2 Mal hoerte, sind so unerhoert schoen und bedeutend, dass man nur annehmen kann, was der Menschheit durch seinen Tod verloren gegangen ist. Sein grosser Meister Schoenberg, der ja in Amerika weilt, hat sich verpflichtet, den 3. noch nicht instrumentierten Akt Albans Oper fertig zu instrumentieren und zwar ohne jeden Vorteil. Dadurch wird es wohl moeglich sein, dass die Oper Albans in Baelde in den diversen Laendern zur Auffuehrung gelangt. Es duerfte Sie, liebe Frau Frieda, interessieren, was Albans letzte Worte waren. Er hat kurz vor einigen Monaten mitten in der Arbeit fuer Lulu von einem amerikanischen Anonymus einen Auftrag auf ein Violinkonzert bekommen, mit dem speziellen Wunsche, dass ein Choral mit einer Art Requien in denselben sein soll. Alban hat seine Arbeit ungern unterbrochen. Als aber dann die Tochter der Frau Mahler, ein wunderschoenes junges Maedchen, ploetzlich starb, die er sehr geliebt hat, uebernahm er die Arbeit und fuegte in das Konzert einen Choral mit den Worten "ES IST GENUG, NIMM DU NUN MEINE SEELE", ein. Kurz, vor seinem Tode, als er - 2 - mit dem Atem rang bei einem Herzanfall, rief er nun mit den Armen stossend aus: "Es ist genug, es ist genug!" Dann, als sich dieser Anfall gelegt hatte, sagte er: "So, jetzt gehen wir alle schlafen, Du Helene (seine Frau), die Schwester und ich, alle gehen jetzt schlafen". Dann vergingen nur einige Minuten und er war im Jenseits. Das, liebe Frau Frieda, wollte ich Ihnen sagen, denn ich sehe aus Ihrem Brief, wie sehr Sie Alban geschaetzt haben. Indem ich Ihnen die Haende kuesse, mich unbekannter Weise Ihren Herrn Gemahl und Ihren Kindern empfehle, bin ich Ihr aufrichtig ergebener [handwritten signature: Charley Berg] [Library of Congress stamp] [Marginal notation, apparently a later archival call number, in pencil at lower left of page 1: ML / 94 / .B48 / #7] --- Transcribed by Claude Sonnet 5 on June 30, 2026 https://claude.ai/share/b3dba9da-1c07-4cae-b1d6-1894894e9dda