Alban Berg to Frida Semler August 27, 1908 [Letterhead: Berghof am Ossiachersee / Heiligen Gestade / POST ANNENHEIM / (Kärnten).] Donnerstag 27./8. [1908] – Nicht Schreibfaulheit – aber Ihre Güte[?] mit Offert, daß ich jetzt über 2 Monate lang nichu[?] um die verehrte Frida, "verehrte Miss Frida" klingt[?] frei[?]er[?], – und mit Fräulein wollt ich Sie vielleicht schon gar nicht anse- hen! Also, daß ich schon so lang nichts von mir hören ließ!! So was giebt in Fällen, wo gerne schreibe, richt!! Aber es sagte mir näm- lich Sophie, Miss Frida, ohne nicht gut auf ich zu groß[?] sein, indem ich mit bequemen lang- Briefe an Sie geschrieben hatte, die Sie gar nicht als solche akzeptiert, und auf den letzt[en] [im hiesig geschriebenen Brief?] ich wenn ich meine Bejahrt[?] ung[?] ab[?] wärts hab, die seien vielleicht bis auf mich – nun eine unbegreiflichen Gründen natürlich!) und dann ich einen herrlichen Zeitungsartikel[?]: „eine Dobroffy[?] Erstaufführung von Rosegg[er]" beigelegt hatte – – Dar[auf] ich [nicht?] antwortete!! – 2 – Nun aber, wo ich auch den Brief an Arme[?]ga[?] erschrak, daß die mir, vielleicht[?] letzte[?], da [sich?] noch nicht ganz loß sind – – bios ich so froh und greife [wieder?] [bejubelt?] wieder zur Feder, um Ihnen zu schreiben, und wie ist es so naheliegend, daß ich jetzt das traurigste Thema berühre: – – Ihre Absage, nicht für uns auf den Berghof gekommen zu sein!!!! Ich ging [ihm?] ganz traumhaft herum und malte mir die Tage [und?] Abende in den schönsten Farben aus, die Sie, Frida, mit uns verbringen würden. Ich sah Sie schon im edlen Streit[?] in[?] [der?]baren Begeisterung, mit mir im Gespräch, über Wilde[?] [und?] Schnur – ich fehlte[?] [für?] alle Aufnahms- fähigkeit in mir geboren[?] für die Produkte [und?] lieblichen Geistes, die Sie Miss Frida mir hätte verlesen müssen – ich emp- fand[?] für Ihr Interesse für Mahlers – 3 – VI. Symphonie, die wir Ihnen vielleicht vorgespielt hätten; für Schoenbergs[?] Lieder, die Ihnen unaussprechbar geringeres hätte, für Strauß'[?] Salome, Paul[?] Dukas'[?] Ariane und Blaubart – – – und vielleicht wär für meine letzten Erzeugnisse!!! Auf was fehlte ich nicht noch Alles – – – ~~ Und all das wurde mit der einen unseligen Post, zu- nichtet und ich verfluche in Stille den Zwang und die Konvention, die die, Miss Frida zwingt wegen Kleider nach Berlin zu fahren – – das wäre so Ihr- rem ganzen Wesen nicht viel ange- messener, in irgend einem weithaltigen[?] – luftigen Schlafrock mit Sandalen im Sinnen sich zu ergehen, wie einst auf dem Berghof!!! Aber das geht mich wiederum nichts an und ich kann [– 4 –] mich nun wieder resignieren!! –. Das genüg davon!! – – – – – – – – – – – – – – ~~ Ich war vor einige[n] Tagen in Vene- dig, zum ersten Mal im Leben ü. ich konnte den Eindruck nicht los werden – – ich fuhr volle Stunden lang durch die engsten Gassen und verlief mich in den kleinste[n] Gäßchen dieser einzig-romanti- schen Stadt – diese Reise war wohl der Höhepunkt des heurigen Som- mers für mich und empfinde ich es umso intensiver weil der ganze Sommer ziemlich erregt[?] [hat?] [schon?] [ver?]gangen ist –. Zuerst war ich wirklich mit den Dingen nicht ganz fertig – – Dann fiel ich von Pferd und sprengte mir eine Knochen der Hand- wurzel (Dampfzig Schicksale!) und jetzt, wo ich endlich wohler bin, will ich meine – 5 – [Berghof am Ossiachersee / Heiligen Gestade / POST ANNENHEIM / (Kärnten).] Bruder Hermann muß immer allein lassen, wenn er infolge von Schrei- berei ans Haus gefesselt ist. Und verbinge wir die Tage in stiller Be- freundlichkeit! Nun, in erwähntes ihm immer fortfährt, wenig vielleicht denn es [geht?] ein wenig in die Welt hinein ü. Wär'[?] es mir ein wenig tiefer u. höher in meinen geliebten Al- pen vorzu[?]dringen; dann in kurzer Zeit geht's ohnehin wieder nach Wien und die jetzt ununterbrochene Arbeit löbt[?] wieder die freude[?] Sommerszeit ab! – – – Und – – Dann hoff ich, wenigsten noch immer, daß wir Sie, Miss Frida, in Wien, endlich einmal, wiedersehen – – – Das wäre doch eine zu große Rohheit des Schicksals, wenn mir auch diese Freude verworben würde – 6 – [i]ch phantasienreichter Träume von wieder von aller hand Schönem – – von ernsten Plauderstunden, von Musikgeniessen[?], von gemeinsamen Opern-Abenden u. so fort – u. so. fort – ~~~ . . . – So ist wohl besser ich schlösse dies Schreiben in Träumen im Stille weiter – denn das muß Ihren verehrte Frida schon so lang- weilig sein. Empfohlen[?] Sie Miss Frida meine ergebenste u. herzlichste Grüße u. Handküsse u. lassen Sie mich bitte in der schöne Hoffnung Sie bald von Angesicht zu Angesicht zu sehen! In tiefer Verehrung Alban Berg [Library of Congress stamp] [Gift, Frida Semler Seabury, 1948] --- Transcribed by Claude Sonnet 4.6 on June 29, 2026 https://claude.ai/share/0805e033-6c25-45e9-b0dc-21b778ca9eb2